Elternschaft & Alltag
Vereinbarkeit braucht mehr als Organisation
Über Elternschaft, eigene Ansprüche und geteilte Verantwortung – Gedanken aus meinem Gespräch mit Tadah über ein Leben zwischen Beruf und Familie.
Dieser Beitrag greift zentrale Gedanken aus meinem Interview mit Tadah vom 19. Januar 2023 auf. Er ist eine redaktionell verdichtete Rückschau auf das damalige Gespräch.
Beruf, Familie, Partnerschaft und eigene Interessen: Vieles davon ist uns wichtig. Schwierig wird es, wenn wir allem gleichzeitig gerecht werden wollen. Im Gespräch mit Tadah erzählte ich, wie sich unser Familienalltag mit dem zweiten Kind verändert hatte. Was vorher leicht zusammenzupassen schien, verlangte plötzlich nach anderen Absprachen und mehr Beweglichkeit.
Dabei ging es nicht darum, einen perfekten Plan zu finden. Wir mussten immer wieder herausfinden, was in unserer jeweiligen Situation möglich war – und was gerade zu viel wurde.
Wenn auch das Schöne zur Aufgabe wird
Hohe Ansprüche beschränken sich selten auf den Beruf. Auch Freundschaften, Freizeit und gemeinsame Zeit mit den Kindern können Teil eines Programms werden, das wir gewissenhaft erfüllen. Im Interview beschrieb ich Menschen, die viel unternehmen und dennoch kaum noch sagen können, was ihnen Freude bereitet.
Dahinter steht eine Frage, die sich nicht allein mit einem besser geführten Kalender beantworten lässt: Spüre ich noch, was mir wichtig ist, oder versuche ich vor allem, meinen Erwartungen an mich selbst zu entsprechen?
Verantwortung lässt sich teilen
Vereinbarkeit ist deshalb auch eine gesellschaftliche Frage. Im Gespräch benannte ich die Spannung zwischen beruflichen Möglichkeiten und der weiterhin ungleichen Verteilung von Sorgearbeit. Bilder von mühelos erfolgreichen Eltern können zusätzlich den Eindruck vermitteln, Überforderung sei persönliches Versagen.
Eine andere Arbeitskultur müsste es selbstverständlicher machen, Erwerbsarbeit und Kinderbetreuung zu teilen. Innerhalb einer Partnerschaft braucht es zugleich die Bereitschaft, Aufgaben und Absprachen veränderten Lebensphasen anzupassen.
Aussprechen, was schwierig ist
Über Zweifel, Wünsche und Grenzen zu reden, kann unbequem sein. Doch erst wenn Schwierigkeiten ausgesprochen werden dürfen, entsteht die Möglichkeit, etwas zu verändern. Im Interview war mir diese Offenheit wichtiger als das Bild eines reibungslos funktionierenden Familienlebens.
Am Ende stand auch die Frage nach dem Glück. Meine Antwort galt den kleinen Momenten des Alltags und der Neugier, die Kinder mitbringen. Nicht alles gleichzeitig tun zu müssen, kann Raum schaffen, solche Momente überhaupt wahrzunehmen.
Das Gespräch bei Tadah
Das vollständige Interview «Nathalie à Porta: einen Schritt zurück, um vorwärts zu gehen.» erschien am 19. Januar 2023. Interview und Originaltext: Tadah.